Edelteile
Vor ein paar Tagen bekam ich von einer Freundin meiner Frau 3 Knoblauchknollen samt Grün, frisch aus der Erde. Klar der Teil in der Erde ist diese wunderbar aromatische Knolle mit ihren Zehen. Frisch, saftig, durch das Inulin leicht klebrig, köstlich. Aber der oberirdische Teil der Pflanze?
Die langen, etwas holzigen Stängel von den langen, schlanken Blättern befreit, grob gesäubert, in zentimetergroße Rädchen geschnitten, in etwas Wasser angedünstet, ergeben ein leckeres Gemüse. Nach oben hin ein wenig holzig, aber sonst ziemlich lecker. Was machen Sie mit dem größten, oberirdischen Teil der Knoblauchpflanze? Wie, Sie wissen gar nicht, dass es beim Knoblauch auch ein "oberirdisch" gibt? Aus der Erdknolle ragt ein Stamm bis zu einem Meter aus der Erde. An dem Stamm sind lange spitze Blätter, und das kann man alles mitessen. Der Stamm ist zwar etwas holzig, man kann ihn aber dünsten. Er hat ein ganz feines, zartes Knoblaucharoma.
Wissen Sie, das Deutschland eigentlich genug eigene Schweine züchtet, um die Nachfrage zu decken? Wieso wird dann Schweinefleisch importiert? Kennen Sie Snuten und Poten? Das ist ein altes Schleswig-Holsteinisches Bauerngericht. Dafür wurde der Rüssel und die Pfoten des Schweins gepökelt und dann in einem Eintopf z.B. mit Steckrüben lange ausgekocht. Wertvolle Kollagene gingen so in die deftige Suppe über, die im Winter nicht nur durchwärmte, sondern auch satt machte. Wann haben. Sie das letzte Mal davon gekostet, oder überhaupt nur davon gelesen? Vom Schwein (und nicht nur von dem) werden fast nur noch die Edelteile angeboten, alles andere wird exportiert.
Nehmen wir das Getreide. Sicher das meiste davon können wir nicht essen, ausschließlich die geschälten Samenkörner. Doch auch bei diesen wird bevorzugt nur der Stärkekörper genutzt und zu schneeweißen, industriefein gemahlenen Mehlen verarbeitet. Noch vor 100 Jahren konnten sich nur sehr wenige Menschen Brote aus diesen Auszugsmehlen leisten, galten als Sonntagsbrote. Die Woche unter wurden dann Brote aus den groben, griffigen Vollkornmehlen gegessen oder als Grütze verkocht.
Haben Sie einmal ein Stück rohe Zuckerrübe probiert? Schmeckt schön erdig, knackig und natürlich süß. Nur ist der Zucker der Rübe hier in komplexe Ballaststoffe eingebunden und kann vom Körper nur langsam aufgenommen werden. Doch was macht die Industrie daraus? Schneeweißen, hochraffinerten Kristallzucker, der auch noch unanständig billig und bei Zuviel eine Katastrophe für unseren Organismus ist.
Wie sieht es beim mittlerweile immer selten werdenden Fisch aus? Das ganze Tier? Oder doch nur die Filets oder noch extremer: Schneeweiße Filetteile in Panade?
Das sind nur einige Beispiele, sie verdeutlichen aber, wie degeneriert die tägliche Ernährung bei weiten Teilen der deutschen Bevölkerung stattfindet. Und die Folgen die durch diese extreme Fixierung auf die "Edelteile" sind umfassend. Übergewicht ist dabei fast noch die harmloseste.
Gehen Sie doch einmal Ihren Speiseplan durch. Gibt es da nicht vielleicht das Eine oder andere, wo es sich lohnt, darüber nachzudenken, zurück zum natürlichen Ausgangspunkt der Gaben der Natur zu gehen, und auch wenn es ein wenig mehr Mühe macht, es wieder intelligent zuzubereiten? So werden Sie nicht nur mit den deutlich vielfältigeren Aromen belohnt, sondern Ihre Verdauung und damit Ihr Körper wird es Ihnen danken.
In diesem Sinne einen guten Appetit, Ihr
Andreas Sommers
PS: für uns beginnt die Saison der Herbstmärkte, die Termine finden sich hier, vielleicht sind wir ja auch mal bei Ihnen in der Nähe und Sie besuchen uns ganz persönlich.